· MFA... Hecht und Zander Angeln am Bodden 29.10.2011  Mitten in der Nacht zum Sonnabend, um 03:30 Uhr klingelte mein Wecker. Da ich nicht sofort auf ihn reagierte, gab´s einen etwas unsanften "mach das verdammte Ding aus" Sidekick von meiner Frau.  Nachdem ich so nett aus dem Bett gebeten wurde, habe ich natürlich gleich René angerufen, um zu testen, ob sein Wecker auch schon geheult hat. Schon nach dem ersten Klingeln ging er ran und antwortete, als sei er schon stundenlang wach: "Heute knallt es richtig jeeehaaa". Obwohl er vergessen hatte, seinen Wecker zu stellen und ich diesen Job ungeahnt übernommen habe.Die Freude war natürlich absolut begründet, denn heute ging es ab zum Bodden bei Rügen. Ziel war der Hafen von Altefähr. Nach einer sehr kurzweiligen Fahrt, dank Vorfreude und reichlichem Fachgesimpel, sind wir endlich gegen 06:30 Uhr am Hafen angekommen.  Das Boot, welches wir uns von einem befreundeten Angelladen (Big Fish in Erkner) gegen eine kleine Gebühr geliehen hatten, war sehr gut für's Boddenangeln geeignet. Es war schön breit und hatte dementsprechend viel Platz, welcher auch gleich ausreichend von uns ausgenutzt wurde. Von den acht Rutenhaltern haben wir alleine schon sechs besetzt und unsere Köderboxen bedeckten den Boden des für bis zu 5 Personen geeigneten Bootes. Da war also nur noch Platz für uns. An unserer Rutenanzahl kann man schon erkennen, dass wir für jede Eventualität gewappnet sein wollten. Den ersten Dämpfer hatten wir, als wir versucht haben, den Strelasunder Bodden zu betrachten. Wir sahen sage und schreibe gar nicht´s! Der dichte Nebel hat uns jegliche Sicht genommen und wenn ich sage dicht, dann meine ich so richtig dicht. Die maximale Sichtweite auf dem Wasser betrug vielleicht 10m.  Da der Hafenmeister schon zwei Leihboote beim Rausfahren mit einem sehr lauten und ernsthaften Ruf zurückpfiff, haben wir auch noch etwas mit dem Rausfahren gewartet und in der Zeit unsere Ruten montiert.  Nachdem der Nebel langsam schwand und sich die Sichtweite auf  ca 30-50m erhöht hatte und einige Angler mit ihren privaten Booten schon rausgefahren waren, hat uns auch nicht´s mehr gehalten. Zum Glück waren wir auch privat unterwegs, somit konnte der Hafenmeister nicht´s sagen. Trotzdessen würde ich jedem und vorallem Anglern, die das Gewässer nicht kennen, dringend davon abraten bei so einem dichten Nebel herauszufahren. Nicht nur, weil man sich strafbar macht und die Polizei hohe Bußgelder erhebt, es ist auch noch lebensgefährlich. Nach den Horrorgeschichten vom Hafenmeister wurde schon ein Anglerboot, besetzt mit vier Sportsfreunden, von einem großen Ostsee-Schlepper, der sie nicht sehen konnte, überfahren. Man hat die Angler wohl nie wieder gefunden!!!  Dank guter Beleuchtung am Boot, ausreichender Gewässerkenntnis, Echolot und GPS im Handy ging es relativ sicher auf´s Wasser. Als erstes haben wir uns im flachen Wasser, bei ca. 2,50m langsam treiben lassen und die Gegend mit Jerkbait, Wobbler und Co. durchpflügt. Wenn der Wind etwas stärker blasen sollte, rate ich jedem einen Driftsack einzusetzen.  Nach 45min erfolglosem Rumexperimentieren, hat sich irgendetwas einen "Squirrel 67 sp von Illex" beim normalen Einkurbeln geschnappt und René´s Rute war krumm. Zwar nicht so krumm wie wir es gerne gehabt hätten aber der "Spritzer" zeigte uns, dass die Hechte anscheinend Hunger haben. Nach dem Releasen war klar, dass wir eigentlich vor hatten, die dicken Mama´s zu überlisten und haben ganz schnell von den Miniködern Abstand genommen und mit großen Gummifischen und Swimmbaits angegriffen.  Nachdem der Nebel sich immer mehr gelichtet hatte und auch die Leihboote aus dem Hafen rausgefahren waren, wollten wir uns weiter in tiefere Gefilde vorarbeiten. Das Echolot zeigte uns eine kleine Kante, die langsam von 5 auf 7m abfiel, an der wir in der unmittelbaren Nähe eines ziemlich dicken Poller, der aus dem Wasser ragte, den Anker rausfeuerten. Wir haben angefangen, mit allen möglichen Ködern, von 15 - 20cm Größe im 360° Grad Bogen die Umgebung abzufischen. Ob die Oberfläche mit Jerk- und Stickbaits das Mittelwasser mit Wobbler und Swimbaits oder den Grund mit Gummi am Jigkopf (wir haben wirklich alle Möglichkeiten ausgeschöpft) als plötzlich ein gespanntes "Fisch!" über René´s Lippen fuhr und ich meine Rute beiseite legte, um schnell die Videocam zu schnappen.  Nach schönem Drill und aufregenden Fluchtversuchen, durchbrach ein schön gezeichneter Hecht, der die 70cm Marke locker knackte, die Wasseroberfläche und René konnte ihn landen. Der Hecht hatte sich einen ca. 16cm Gummifisch, der sich "Shaker von Lunker City" nennt, in der Farbe Blau-Silber Glitter (Heringsimitat) geschnappt!  Nach schonendem Zurücksetzen des Fisches stand es schon 2:0 für René auf unserer internen Liste.  Na, das fing ja gut an, da ich noch nicht mal einen Biss verzeichnen konnte. Aber das sollte mich nicht entmutigen und ich befolgte René´s Ratschlag, auch in die Richtung zu werfen. Da am Bodden in der Tiefe eine relativ starke Strömung herrschte, hat sich hinter dem besagten Poller eine kleine Kehrströmung gebildet. Also haben wir quer zur Strömung ausgeworfen, so dass der Köder direkt in die Kehrströmung reingetrieben wurde. René hat tatsächlich gleich beim nächsten Wurf auch den nächsten Einsteiger. Wieder war es ein guter Hecht, der um die 70cm hatte und den "Shaker" diesmal mit voller Wucht inhalierte. Aus dem bezahnten Entenschnabel schaute nur noch das Titanvorfach raus, der komplette 18cm Gummifisch war im Maul seines Jägers verschwunden.  Aus schonenden Gründen haben wir bei Fischen, die klar unter einen Meter sind, ausgemacht, sie nicht zu vermessen und unnötig zu stressen, um sie schnellstmöglich wieder ins kühle Nass zu entlassen.  So langsam ist mir klar geworden, dass sich kein Fisch für meine Köder interessierte und René gab mir, als wäre es Gedankenübertragung gewesen, einen seiner "Shaker"- Gummifische, den ich mit großem Dank angenommen habe.  Die Experimentierphase hatte ein Ende, wir wussten nun was fängt! Sicherlich aus Trotz und auch dem Gedanken, dass an der Stelle nicht mehr so viele Fische sein könnten, warf ich mal wieder in eine andere Richtung und bekam tatsächlich einen zaghaften Anfasser in der Absinkphase, den ich so schnell leider nicht quittieren konnte und der Anhieb ins Leere ging. Wahrscheinlich war es der unfassbare Schock, das Petrus mir doch einen Fisch gönnt, der mich hat so spät reagieren lassen. Gerade erst habe ich mich von diesem Schock erholt, schon ruft René, der seiner Linie die ganze Zeit treu blieb und immer schön in die Kehrströmung geworfen hatte: "BISS!". Ich wollte es nicht glauben, da hat mein Teampartner tatsächlich wieder einen dran und ich komm nicht zum Angeln, weil ich die Kamera halten muß, währenddessen ich mir den Spruch nicht verkneifen kann, das mich das Gefühl beschleicht "Du holst hier immer wieder den gleichen hoch".  Aller Neid bringt ja nicht´s, René hat heute die Masse, ich hol die Klasse, "Da ist doch noch nen Meter drin." sagte ich ganz locker, als unerwarteter Weise ein ca. 48cm Zander auftauchte und uns mit seiner Brustflosse zuwinkte.  Daran konnte man mal wieder erkennen, dass auch kleine Zander ohne Probleme einen etwas grösseren Gummifisch einsaugen.  Anscheinend hielten sich an der Stelle, entgegengesetzt meiner Meinung, doch mehr Fische auf. Zander und Hecht an der gleichen Stelle, das muß doch ein Hotspot sein, was wir auch schnell daran erkennen konnten, dass sich mittlerweile immer mehr Angler, die uns beobachtet hatten, um uns scharten. Welche aber die Höflichkeit besaßen, nicht direkt an unsere Stelle zu werfen.  Jetzt ließ ich mich nicht mehr lumpen und warf mit René wieder in die gleiche Richtung. Die Gummifische trafen in einem geschätzten Abstand von einem Meter auf der Wasseroberfläche auf und wir holten die Köder mit langsamen Kurbelumdrehungen nach "Faulenzer-Art" ein und ließen sie nach ca 3-5 Umdrehungen wieder auf den Boden treffen. Etwa 10m vor unserem Boot waren beide Köder wie Zwillinge auf gleicher Höhe und wieder gab es einen heftigen Einschlag, ausgerechnet in René´s Rute. Diesmal wehrte sich der Fisch wirklich stark und wir wussten, jetzt kommt was Dickes. Nach hammerharten Kopfstößen schnellte seine Gerte aus ihrem parabolischen Bogen wieder nach oben und war kerzengerade. Leider ist der Fisch, den René vom Kampfverhalten als dicken Zander einordnete, ausgeschlitzt. Da der Gummifisch gefaltet war, könnte René auch recht haben, da wir es schon öfter beim Zanderfischen beobachtet hatten. Nach weiteren Würfen ohne Anfasser, haben wir dann den Anker gelichtet und uns auf die Suche nach dem nächsten erfolgreichen Platz gemacht. Da auch die anderen Angler nicht´s ans Band bekommen hatten, war es anscheinend die richtige Wahl. Nach nächsten erfolglosem Versuch im Flachwasser, haben wir wieder eine Kante gefunden, wo der Grund von 6m auf 13m abfiel. Nach den ersten 3 Würfen habe auch ich endlich wieder einen Biss und kann ihn auch haken. Anscheinend war ich trotz Freude etwas enttäuscht, das es kein so Großer war, weil meine Konzentration vor der Kamera kurz nachließ und sich der Hechtkörper aus dem Wasser schraubte und den Gummifisch abschüttelte. Mist wieder nix!!!  An einer anderen Stelle hatte wieder ich einen Biss und der vermutete und erhoffte Großhecht war an der anderen Seite der Leine. Nach extremer Wehr und harten Kopfschlägen hat auch dieser sich wieder gelöst. Irgendwie hatte ich heute echt Pech. Nur ein kleines Stückchen weiter, habe ich den Gummi wieder zum Grund absinken lassen. Da ich schnell noch einen schluck Trinken wollte, habe ich kurz meine Rute sicher auf die Bootsreling abgelegt, als sie mit einem schnellen Ruck zur Seite gezogen wurde. Obwohl ich gleich zur Rute griff und einen Anhieb setzte, ging es ins Leere. Der Fisch war wieder weg!!! Da wir nach einiger Zeit des Probierens, eine Beißflaute verzeichneten, dachten wir, dass es Zeit wird zu unserer ersten erfolgeichen Stelle zurückzukehren. Diesmal haben wir den Spot von der anderen Seite angefahren, weil wir auf dem Echolot mal sehen wollten, was sich dort noch befindet. Direkt hinter dem Poller war ein schönes Loch ausgespült, wo wir anscheinend die Räuber rausgeholt haben. Die Dämmerung hatte schon eingesetzt als René mal wieder einen Biss verzeichnen konnte. Es war wieder ein kleiner Zander der sich den großem Gummi schmecken lies. Der Kleine hatte vielleicht 40cm. Also dachte ich mir, jetzt nehme ich mein Carolina-Rig und versuche es mit nem Fransenköder. Als auch das keinen Erfolg brachte, bin ich wieder zum "Shaker" zurückgekehrt. Und das sollte auch mit einem heftigen Biss belohnt werden. Es fühlte sich an, wie ein wütender Großzander und mein Puls schnellte in die Höhe. Und wieder ist er mir ausgeschlitzt!!! Naja das sollte es dann auch gewesen sein, in der Dunkelheit sind wir dann zurück zum Hafen gefahren und haben uns den Tag nochmal durch den Kopf gehen lassen. Obwohl mein Gummifisch schöne Bisswunden hatte und ich mir sogar einen Neuen nehmen mußte, weil der andere aufgerissen war, konnte ich keinen einzigen Fisch aus dem Wasser ziehen. Dafür hat es Rene´aber echt ganz gut gefangen, insgesamt 4 Hechte und 2 Zander Fazit: es war, trotzdessen ich Schneider blieb, ein sehr schöner Tag mit vielen tollen Momenten, lautem Gelächter und schönen Fischen. Wir freuen uns schon aufs nächste mal. Euer MFA-Team Uwe und René